Nicolaus Cusanus Gymnasium,  Reuterstraße 51, 51465 Bergisch Gladbach

ERASMUS+ am NCG – Die Finnen kommen

Im Rahmen unseres Finnlandaustauschs durften wir- 7 Schülerinnen und Schüler der EF- eine Woche lang finnische Gastschülerinnen und Gastschüler bei uns willkommen heißen. Im Januar folgt der zweite Teil: Dann reisen wir für eine Woche nach Finnland.

Bereits vor der Mobilität konnten wir über die Kontaktdaten unserer Austauschpartner erste Nachrichten austauschen. Neben den wirklich wichtigen Fragen – Musikgeschmack und Hassfach in der Schule ;) – lernten wir uns langsam kennen und stellten fest, wie viele Gemeinsamkeiten wir trotz der Entfernung haben. Gleichzeitig waren wir gespannt darauf, den Alltag unserer Partner kennenzulernen.

Am Samstagabend, dem 5. September, war es so weit: Wir holten unsere Austauschpartner vom Flughafen Köln/Bonn ab. Fast wären einige dabei versehentlich nach Düsseldorf gefahren – zum Glück fanden aber alle den richtigen Flughafen. ;) Am Anfang war es noch etwas ungewohnt, einer Person gegenüberzustehen, mit der man bisher hauptsächlich geschrieben hatte. Doch das Eis taute schnell.

Den ersten Abend verbrachte ich mit meiner Austauschpartnerin bei einem gemeinsamen Abendessen mit meiner Familie. Später ging es noch zu einem Sommerfest, wo wir meine Freunde trafen und gemeinsam Kartenspiele spielten. Am Abend stellten meine Gastschülerin und ich fest, dass wir beide gerne lesen – also wurde kurzerhand gemeinsam gelesen und über Bücher diskutiert.

Am Sonntag starteten wir entspannt mit einem Spaziergang, bei dem ich ihr meine Umgebung zeigte. Am Nachmittag ging es mit meiner Familie zum Minigolf. Zwischen kleinen Wettkämpfen und gegenseitigem Necken wurde schnell klar: Verständigung funktioniert auch ohne perfekte Worte.

Ab Montag begann unser gemeinsames Schulprogramm. Begrüßt wurden wir von unserer Schulband – besonders passend, da auch die finnischen Schülerinnen selbst gemeinsam in einer Band spielen.

In einem Projekt verglichen wir anschließend unseren Alltag und unsere Schulsysteme. Vieles ist ähnlich, doch besonders das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülern fiel uns auf: In Finnland ist es teilweise deutlich lockerer. Mit einer Lehrkraft ins Gym zu gehen oder gemeinsam essen zu gehen, wäre für viele von uns befremdlich, in Finnland aber normal. Auch Traditionen und Essen wurden verglichen. Vieles kannten wir bereits, anderes – wie den finnischen Lucia-Tag – war für uns neu. Und die finnischen Spezialitäten hören sich auch interessant an: Einige davon müssen wir im Januar unbedingt probieren!

Danach wurde es kreativ: In drei Gruppen bauten wir aus Papier Brücken, die möglichst stabil, schön und kreativ sein sollten. Einfacher gesagt als getan. ;) Beim Belastungstest mit Büchern hielt eine Brücke sogar fünf Bücher – Props an das Jungsteam! Die drei Brücken waren völlig unterschiedlich und jede hatte ihre eigene Stärke.

Nach Pizza beschäftigten wir uns mit den Stolpersteinen an der „Tent 2“. Die kleinen Gedenksteine erinnern an Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Anhand der Stolpersteine von Elise und Reinhold Joschkowitz lernten wir deren Lebensgeschichten kennen. Drei Schüler stellten ihr Leben vor - es hat die Geschichte anschaulich gemacht und wir konnten den Finnen was der deutschen Geschichte zeigen.

Am Dienstag ging es nach Köln. Zunächst waren wir bei den Kölner Haien. Am Trainingsgelände in Köln Deutz hatten wir die Möglichkeit hautnah bei einer Trainingseinheit der Mannschaft dabei zu sein, und die Intensität des Eishockeysports sowie die Qualität der Mannschaft der Haie mitzuerleben. Nach der Einheit wartete dann noch ein echtes Highlight auf uns. Wir hatten die Möglichkeit, Kölner Haie Spieler Juhani Tyrväinen, zu treffen und mit unseren Fragen zu löchern. Dieser zeigte sich sehr offen und bot unseren Austauschschülern dadurch, dass er ebenfalls Finne ist, einen tollen Moment auf finnisch. Er erzählte uns wie begeistert er von der Stadt Köln, seinen Einwohnern und dem Karneval ist. Zum Abschluss gab es ein gemeinsames Foto und auch ein Besuch im Fanshop durfte nicht fehlen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir zum Kölner Dom. Herr Schmitter zeigte uns bei einer interessanten Führung nicht nur das berühmte Wahrzeichen, sondern auch seine Geschichte und viele Details. Mit unseren Audiogeräten fühlten wir uns dabei kurz wie richtige Touristen ;)Wer danach noch Energie hatte, konnte die 533 Stufen des Domturms erklimmen. Angegeben waren etwa 30 Minuten für Hin- und Rückweg – die Schnellsten schafften es in ungefähr 12 Minuten. Sehr zum eigenen Stolz. Nach dem offiziellen Programm radelten wir gemeinsam zum Höhenfelder See. Wir sprangen ins Wasser, und lagen anschließend mit Snacks auf Picknickdecken. Dazu liefen finnische Hits, bei denen unsere Gäste laut mitsangen – und damit sogar die Musik der Hippies neben uns übertönten. Der Rückweg führte uns über einen „besseren Weg“, der sich als ziemlich steiler Erdpfad herausstellte. Wir mussten die Fahrräder hochschieben. Am Abend habe ich mit meiner Partnerin und meinem Bruder noch Karaoke gesungen. Denn Musik verbindet die ganze Welt. Später haben alle aus dem Austauschprogramm gemeinsam ein Lagerfeuer gemacht. Wir saßen zusammen, redeten, lachten und genossen einfach die gemeinsame Zeit.

Am Mittwoch besuchten wir das Haus der Geschichte in Bonn. Die Ausstellung zur deutschen Geschichte seit 1945 machte für uns vieles greifbarer und anschaulich. Besonders beeindruckend und schockierend war, nochmal die Ausmaße vor Augen geführt zu bekommen.  Danach wanderten wir auf den Drachenfels. Zwischendurch waren wir etwas lost und mussten sogar über und unter Baumstämmen hindurch. Die Bahn schien zeitweise sehr verlockend… oben angekommen entschädigten der tolle Ausblick und ein gemeinsames Picknick jedoch die Anstrengung. Auch am Abend wurde weiter kultureller Austausch betrieben: Beim Abendessen brachte meine Austauschpartnerin meiner Familie Finnisch bei. Wir waren begeistert von unseren neuen Sprachkenntnissen – die leider nach ungefähr fünf Minuten wieder vergessen waren. ;) Später trafen wir uns erneut in einem Garten. Um uns vor dem Regen zu schützen, bauten wir aus einer Plane, einem Besen und einigen Bändern einen improvisierten Unterstand. Überraschenderweise hielt er tatsächlich. Vielleicht war unser Teambuilding am Montag doch erfolgreicher als gedacht.

Am Donnerstag ging es nach Altenberg. Neben der Wanderung – und dem vermutlich wichtigsten Zwischenstopp beim Rewe – probierten unsere finnischen Gäste sogar Bucheckern. Das Urteil: entweder geschmacklos oder ein bisschen wie Cashewnüsse. Nach dem Mittagessen folgte Bogenschießen. Für einen Moment fühlten wir uns alle professionell – bis einige Pfeile aus dem Fluss gefischt werden mussten. Das Bogenschießen verbanden wir mit Ruhe und bewusster Atmung. Nach einer ereignisreichen Woche war es schön, einmal innezuhalten und sich ganz auf den Moment zu konzentrieren.

Am Abend trafen wir uns ohne die Lehrer in Bergisch Gladbach, holten uns Döner oder etwas vom Aldi und liefen auf den Sonnenberg. Dort sahen wir gerade noch den Sonnenuntergang. Später saßen wir im Dunkeln auf Baumstämmen und ließen den Tag gemeinsam ausklingen.

Am Freitag stand noch ein Besuch im EL-DE-Haus auf dem Programm. Dort bekamen wir eine sehr spannende Führung durch alte Gefängniszellen und einen zum Museum Umgebauten Teil des EL-DE-Haus. Wir lernten viel über die Nazi Zeit mit dem Fokus auf die Stadt Köln und konnten, beispielsweise durch ganz viele Kritzeleien an den Wänden, einen authentischen Eindruck des Lebens in Gefangenschaft erlangen. Nach dem Besuch im Museum folge etwas Freizeit in Köln, die fleißig zum shoppen, Sightseeing und essen genutzt wurde. Das Erobern einer Millionenstadt wie Köln auf eigene Faust war ein ganz besonderer Eindruck für unsere Gäste. Am Abend feierten wir unsere Abschiedsparty im Haus Hardt. Unter einem Pavillon wurde gegrillt, gemeinsam gegessen und auf der Wiese Volleyball gespielt. Bei der Zertifikatsvergabe mussten wir anschließend die Namen unserer Austauschpartner aussprechen und sie unsere – erstaunlicherweise funktionierte das sogar ziemlich gut.

Danach trafen wir uns noch einmal außerschulisch in der Stadt. Doch irgendwann hieß es endgültig: schlafen – schließlich mussten wir am nächsten Morgen um 5 Uhr aufstehen. Um 6:15 Uhr trafen wir uns am Flughafen. Nach einer Woche, in der aus zunächst fremden Menschen vertraute Gesichter und Freunde geworden waren.

Diese Woche hat uns nicht nur viele schöne Erinnerungen geschenkt. Wir sind offener geworden, haben gelernt, auf fremde Menschen zuzugehen und uns auch dann zu verständigen, wenn einmal die richtigen Worte fehlen. Unser Englisch wurde ganz nebenbei sicherer.

Für diese besondere Erfahrung möchten wir uns herzlich bei Frau Beckmann, Herrn Schmitter und Frau Gashi für die Organisation und die Möglichkeit bedanken (und an Herrn Bänsch, unseren Wanderprofi, für die Drachenfelswanderung).

Jetzt heißt es: Winterjacken einpacken, Englisch auffrischen und sich auf -15 bis -30 °C einstellen. Im Januar geht es nach Finnland. Wir freuen uns riesig – auch wenn wir noch nicht ganz wissen, wie wir bei diesen Temperaturen nicht erfrieren sollen.

 

Von Antonia Schmitz (EF)

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